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Erstes Kapitel

 

Eigentlich ist es jetzt Sommer. In einem kleinen Dorf mit neunhundert Seelen, und keinerlei Aussichten auf eine Safari im Atlasgebirge. In diesen Zeiten 1954 kannten die Menschen im sozialistischen Arbeiter und Bauernstaat in Sachsenanhalt vielleicht irgendwo Marokko, aber die Welt dieser Zeit endete in Neuwegersleben; Bördekreis Magdeburg. Marx wird missbraucht, denn Marxismus ist wohl eine Wirtschafts und Gesellschaftstheorie die mit den Machenschaften eines SED Staates, nicht viel, eher gar nichts zu tun hat. Man hatte seinen täglichen, mittlerweile monotonen Arbeitstag, beginnend mit einem Hahnenschrei und schließlich des Abend´s mit ne´m Korn verbracht. Der Geruch von Zuckerrübenhaufen der Landes Partei Genossenschaft die dem Volumen des Tagessaldo entsprachen, trieb der laue Abendwind über die Acker zu unserem Hof herüber. Mein Großvater väterlicher Seite, -Oma hatte drei Ehemänner, der erste, also mein leiblicher Großvater, durch einen Dreschmaschinen Unfall, und auch der zweite Ehemann starb früh. Mein dritter Opa musste während den letzten Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs aus Pommern, dort hatte er ein beträchtliches Anwesen, flüchten; und hat hier nun einen für DDR Verhältnisse großen Grundbesitz, der zum größten Teil dann aber verstaatlicht wurde. Ein sozialistisch-sozialer Gestank der hier weht. Hinter verschlossen Fenstern endlich unbeobachtet mit den Seinen den Feierabend und die Nacht genießen; denn der Hahn weckt zum neuen Tag.

 

Halt Dich fest; meine Schwester, drei Jahre alt, ich fünf, saß hinter mir auf einem Dreirad mit Speichenräder oval geschnittener Holzbank, Blechlenker, zur Belustigung der Dorfgemeinde radelten wir die leicht abfallende Kopfsteinpflaster Straße Parallel zum Grandsteig der zum Gut hinauf führte, hinunter. Alle finden das Geschwisterpaar lustig, wie sie die Halbstarken nachahmten die auf ihren Kleinkraft Rädern, wie sie in den damaligen Filmen die neue Generation des Westens zu sehen waren. In dem kleinen Kino, -sonst der Saal für Tanz und Veranstaltungen jeder Art-, wurden jeden Donnerstag Filme, Eintritt 20 Pfennige, gezeigt, wie die Jugend im Kapitalistischen Deutschland, ungehalten, unmoralisch und wahrscheinlich mit geklauten Krafträdern ihr Unwesen trieb. Oder eine blondierte Jayne Mansfield, -eine derartige Begegnung hatte ich im Zug nach Oschersleben, eine aufgedonnerte Blonde „Dame“ saß im Abteil, und ich konnte meine Augen nicht von ihr loslassen, die Frau merkte dies, kramte in der Handtasche, winkte mich heran, um mir eine unbekannte Frucht zu geben. Das erste Mal das ich eine Banane sah, ich biss mit langen Zähnen die Spitze ab, den Rest durfte meine Mutter essen,- mit knallroten Lippen, und prallem Busen ihre Lieder trällerte. Diese abenteuerlichen geheimnisvollen Geschichten hatten damals schon bedeutenden Eindruck auf mich hinterlassen. Zurück gingen wir den kürzer erscheinenden Weg, den Grandsteig hinauf, bis zu der Gasse in der meine Großeltern, die Eltern meiner Mutter wohnten.

 

Den Grandsteig weiter entlang kam man zu dem Gut der Ortschaft, im Halberstädter Bistum dessen Besitzer die Grafen von Sommerschenburg waren. 934 wurde das Schloss und die anliegenden Holzhäuser von den Hunnen zerstört. Im Laufe des dreißigjährigen Krieges wurde die Burg ein zweites Mal zerstört. Erst 1112 schenkte die Edle von Thietburg dem Augustinerkloster in Hamersleben, den Ort Wegesleben. Kanäle und Gräben wurden gezogen, und es entstanden große Weideflächen Die Bruchfähre wurde wieder neu hergestellt, und es wurden gute Landungsstege angelegt. -An einem Herbstabend des Jahres 1130. „Ein gewaltiger Sturm hatte sich mit dumpfen Murren erhoben und peitsche meterhoch die Wasser des Bruchsees. Ein furchtbares Gewitter entfaltete sich. Die Blitze zuckten und züngelten hin und her, von zürnendem Donner begleitet. Der Fährmann Eulenardus, umringt von seinen acht geängstigten Kindern, schaute voll Sorge auf die schreckliche Nacht. Plötzlich erzitterte die Hütte durch nahendes Pferdegetrappel, und im nächsten Augenblick rief jemand mit lauter, herrischer Stimme, indem er hart an die Tür des Fährhauses pochte: Auf Schiffmann, zaudere nicht und fahre mich über den Bruchsee!- es war Friedrich, der Pfalzgraf vom Sommerschenburg, der also rief. Mit bangem Herzen öffnete der Fährmann, schüttelte jedoch seinen Kopf und sprach: Herr es ist stockfinstere Nacht; meine Fähre ist leck und zerbrechlich; ich kann mit ihr unmöglich den Kampf mit Sturm und Wellen aufnehmen. Denkt an mein Weib und meine acht Kinder! –Doch der Pfalzgraf, ein sehr jähzorniger Mann, der keine Widerrede ertrug, brauste auf. Und als der Schiffsmann auch weiterhin sich weigerte, da ergriff der erboste Mann die neben der Haustür stehende Ruderstange und erschlug den armen Familienvater. Der Jähzorn war dem Pfalzgrafen jedoch bald verrauscht und tiefe Reue packte den Mörder. Er eilte zum Probst Sielfriedus nach Hamersleben und schenkte, um seine Bluttat etwas zu sühnen, der Kirche zu Hamersleben eine Hufe Acker- sind 30 Morgen- zu Eichenbarleben bei Neuhaldensleben und der neuen Kirche zu Wulferstedt 10 Morgen „Auf der Höhe“ Für Frau und Kinder des Fährmanns sorgte er später, soviel er nur konnte. Bischof Rudolf von Halberstadt hörte von diesem schrecklichen Mord. Er ließ an der Stelle, wo die unselige Tat geschah, sodann einen Damm und eine Fähre erbauen“.

 

Die Gemeinde Am Großen Bruch liegt zwischen der Stadt Oschersleben (Bode) und der niedersächsischen Landesgrenze. Der Name der Gemeinde in der westlichen Magdeburger Börde ist angelehnt an das Tal des Großen Bruches, einer 50 km langen Niederung, die – vom Großen Graben durchzogen – von der Oker im Westen bis zur Bode im Osten reicht. Das nördlich und südlich des Großen Bruches gelegene Gebiet ist durch fruchtbares Hügelland geprägt. Die Auen der Niederung, die früher durch undurchdringliche Sümpfe gekennzeichnet waren, werden heute als Weideland genutzt. Östlich von Neuwegersleben und Neudamm befindet sich ein ca. 10 km² großes Naturschutzgebiet. Dieses Gebiet, das sich für uns Buben, ausschließlich neben den Bahngleisen, als Urwald erstreckte, und im Volksmund „Sol“ genannt wurde, -wahrscheinlich wegen den ekeligen Sumpflöchern-, lud natürlich ein, unseren Abenteuerlichen Fantasien freien Lauf zu lassen. Mein gruseliges Andenken daran: ich habe mich beim Spielen in einem Baum versteckt, und seltsamer weise nur in diesem Baum haben sich die Blätter im Wind bewegt, die anderen Bäume ringsum waren Mäuschen still, nur der Baum auf dem ich saß raschelte im Wind, gruselig wie mir war, bin ich schleunigst heruntergestiegen und davongerannt. –merkwürdige Geschichte- noch merkwürdiger ist, warum ich diesem harmlosen Ereignis bis heute so viel Achtung schenke. Immer wieder bin ich geneigt einen Baum zu zeichnen, oder versuche irgendein Gedicht über Bäume zu schreiben. „Ein kleines Bäumchen säumt die Straß´ und links und rechts die Nachbarn warn´s die im Wettlauf mit Sturm und Wind und Sonne zu einer Allee bald wuchsen. Ob heiß das Pflaster oder nass, die Straß´ sie lag im Schatten. Ein Jahrhundert und ein halbes des Baumes Alter war, die Zeit zählt Menschen in großer Schar von allen Seiten wandern. Gut lässt sich´s ruhn nach langem Weg unter des Baumes Kühle. Die Leut´ die später fuhren, blitzschnell an ihm vorbei. Dann dieses Baumes Gabe mit Gifte überschatten.“ gewidmet, unserem Freund und Kollegen Alfred Filser,

 

Endlich in der kleinen, schummrig feuchten Gasse, ein zwei Stockwerk Häuschen, die Tür stand offen, bei Großmutter angekommen, aus der Küche drang der Geruch von frisch zubereitenden Kakao. Unter einer Tischlampe, -voriges Jahrhundert- im matten Licht, denn die kleinen Fenster ließen nur spärlich die Abendsonne hinein scheinen, saß die Oma, um einen Bückling mit großer Hingabe mühevoll die Gräten zu entfernen, denn, den gab es ein Zwei Mal, -wenn der HO Konsum wieder Fisch hatte- in der Woche. Sie hatten sechs Kinder zu ernähren, was nicht immer einfach war, das kleine Häuschen war noch nicht ganz schuldenfrei, und der Verdienst, die damaligen Monatsgehälter waren entsprechend niedrig, die Woche hat der Großvater neun Mark nach Hause gebracht. Eigentlich waren es fünf Geschwister, ein Sohn galt seit dem Überfall auf Polen als Angehöriger der Einheit 3. Kompanie Ski-Jäger-Regiment als vermisst. Die Nachricht vom Kompaniechef der Stammkompanie Grenadier-Ersatz-Bataillon 467, hat aus der lebenslustigen Frau, -meine Oma- ein stilles in sich gekehrtes Mütterlein gemacht. Der Großvater hatte drei Schusswunden, eine im Hals, eine in der Wade, und eine in der Hüfte, aus dem Krieg mit gebracht; Sein Kamerad, und der Großvater liefen neun Tage vom letzten Kampfabschnitt an der Front, nach der Kapitulation bis Neuwegersleben, also nach Hause. Die Petroleumlampe die ihnen den Weg leuchtete, und die Patrone, die später aus seinem Wad´l entfernt wurde, sind heute noch in meinem Besitz, den Franzmännern haben wir es gegeben, das war kichernd sein Kommentar dazu. Nach dem Abendessen spielten wir, sehr oft, eigentlich immer „Mensch ärgere dich nicht“ es war eine schöne Zeit damals bei Oma und Opa.

 

Der Grenzübergang Helmstedt–Marienborn war der größte und bedeutendste Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze während der deutschen Teilung und bestand aus dem „Kontrollpunkt Helmstedt“ und der „Grenzübergangsstelle Marienborn“ .Wegen der geografischen Nähe zu West-Berlin wurde die Hauptlast des Transitverkehrs zwischen Westdeutschland und Berlin über diesen Grenzübergang abgewickelt. Außerdem diente er dem Reiseverkehr in die DDR, nach Polen und anderen Ostblock-Staaten. Er bestand zwischen 1945 und 1990 und regelte den Grenzverkehr auf der Autobahn 2 und den Eisenbahnverkehr zwischen der westdeutschen Kreisstadt Helmstedt und der ostdeutschen Gemeinde Marienborn.

 

Wieso mein Vater überhaupt auf die Idee kam, und sich traute Republikflucht zu begehen, ist mir ein Rätsel. Er arbeitete in Madgeburg im Schwermaschinen Kombinat Ernst Thälmann als Dreher, war ein braver, eher unsicherer Mann, schon gar kein Abenteurer, obwohl er sich nun auf diese nicht ganz ungefährliche Reise einließ , seine Beweggründe konnte ich nie in Erfahrung bringen. Ich denke dass er irgendwann den Begriff Freiheit aufgeschnappt hat, und sich mal eben absetzen wollte. So startete er 1955 allein den Weg in den Westen. Meine Eltern heirateten damals am 23.April 1949, ich war gerade embryonal unterwegs, mir den Weg in diese Welt zu suchen, was mir im selben Sommer, Mitte des letzten Jahrhunderts im vergangenen Jahrtausend, in dem Häuschen der Oma gelang. In den nächsten Wochen und Monaten gingen die Stasi Leute bei meiner Mutter, die inzwischen in einer Mietswohnung am Ortsrand wohnte, ein und aus. Immer dieselben Fragen, wo ist ihr Mann? Wann kommt er wieder? Und so weiter..

 

Wo ist denn Jürgen schon wieder? Um 5 Uhr morgens, meine Eltern suchten mich mal wieder aufgeregt in den Zimmern, bis meine Mutter auf die Idee kam mal aus dem Fenster zu schauen, dann saß ich vor dem Haus in der Sonne auf der kleinen Brücke, die ein trockenes Bachbett überspannte. Die Fuhrleute die vorbei kamen grüßten, na Junge schon auf heute Morgen. Vor mir lag die Zigarrenkiste in der ich am Vortag Maikäfer gefangen hielt, die meisten hatten wir, mein Schulkamerad und ich gestern schon zerquetscht. Dann war Mutter da und holte mich wieder nach oben in die Wohnung. Der Amtsgaten, -eine Baumschule- hinter der Kirche, mit seinen kleinen Hügeln lud im Winter zum Schlittenfahren ein. Die anderen Kinder, einige Jugendliche die auf die kleineren aufpassten, war das Rodeln ein grenzenloser Spaß, der sich bis in die frühe winterliche Dunkelheit ausdehnte, die anderen hatten Aufpasser, ich nicht… Wo ist denn Jürgen schon wieder, um 5 Uhr abends fand mich meine Mutter im düsteren Amtsgarten. Wenn wir heimkommen kriegst du den Arsch voll, mein ängstlicher Kommentar zur Mutter, -dann heirate ich dich eben nicht- ich bekam keine Prügel, also dann gute Nacht. Am nächsten Tag, ging ich wieder einmal allein zu meiner Oma, die mit dem Bauernhof um ein Pferd zu kaufen. Opa ließ mit sich handeln und verkaufte mir den Hengst -Andres- für dreißig Pfennige, -ein vermögen- kaum hatte ich ihn an der Leine, galoppierte er durch das offene Tor und ward gesehen. Irgendwer kam am Nachmittag zum Hof und erzählte dass unten an der Tränke das Pferd graste. Also gut, Der Opa bekam von der Oma und meiner Mutter eine gehörige Standpauke, wie kann man den Jungen mit diesem Hengst losschicken, was alles passieren hätte können und so weiter! Opa und ich gingen in die Zuckerkammer und klauten Schokolade, für die Nerven meinte er. Ostern war immer etwas Besonderes dann fuhren wir mit einer Kutsche mit karierten Decken gut eingepackt, übers Land zu Opas Bruder. Meine Schwester bei der anderen Oma, im Hof durfte sie „Eiersuchen“ knallte aber mit einem nagelneuen roten Kleidchen in eine modrige schlammige Pfütze, Mutter schimpfte, -na dann einen schönen Ostersonntag-.

 

Süddeutschland 1955, über Marienborn gelang mein Vater nach München, um sich dort in einer Pension im Süden der Stadt Einzuquartieren. Im Winter es selben Jahres reiste meine Mutter, über Berlin, ganz einfach im Linienbus vom Ost in den Westsektor. Das Überqueren der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Deutschland war noch möglich, wurde aber immer gefährlicher. Am 26. Mai 1952 beschloss die Regierung der DDR, die Grenze zwischen Ost und Westdeutschland zu schließen und das illegale Überqueren unter Strafe zu stellen.

Der sicherste Weg, um in den Westen zu gelangen, ist Berlin.

Zwar sind einzelne Straßen zwischen Ost und West gesperrt und vereinzelt finden Kontrollen an der Sektorengrenze statt, aber die Sektorengrenze zu passieren, ist relativ ungefährlich.

Viele DDR-Bürger fahren nach Ost-Berlin, kaufen sich dort eine Fahrkarte für die S-Bahn oder U-Bahn und fahren in den Westteil der Stadt.

In West-Berlin angekommen, melden sich die Flüchtlinge im Notaufnahmelager Marienfelde und werden nach Westdeutschland ausgeflogen oder bleiben in West-Berlin. Oder wie meine Mutter, die dann mit dem Zug nach München weiterfuhr, wo Ihr Mann, -mein Vater- sie am Bahnhof freudig empfing.

 

Der Junge muss zur Schule! Also begann für mich im September 1955 jeden Tag ab acht Uhr die Schulzeit, es waren nicht viele Kinder im Dorf, die eingeschult wurden, und waren stolz, wie wir von den Leuten begafft wurden. Ich trug eine kurze Lederhose, und nagelneue bunte Routenkniestrümpfe die mir meine Eltern geschickt hatten, unterstützt von einer riesigen Schultüte. Manch einer mag bei meinem Anblick, -den seine Eltern sind im Westen-, getuschelt haben. Weiß man was sie dachten? Mein Vater ist schließlich mit ihnen aufgewachsen, er ist wie sie Neuwegersleber, und nun dies. Zwei Monate später sollten dann meine Schwester und ich ganz legal in den Westsektor ausreisen können. Meine Tante Erna hatte irgendwie Kontakt zu meinen Eltern, und bereitete die Ausreise vor. Der damalige Bürgermeister war uns wohl gesinnt und stelle meiner Tante die nötigen Papiere aus, -ohne diese Papiere hätten wir unsere Eltern wahrscheinlich längere Zeit nicht wiedergesehen- um dann im Dezember 1955 die Reise in den Westen, also München anzutreten.

 

Ein Wintermärchen: Im traurigen Monat November war´s, die Tage wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, da reist ich nach Deutschland hinüber. Und als ich an die Grenze kam, da fühlte ich ein starkes Klopfen in meiner Brust, ich glaube sogar die Augen begunnen zu tropfen. Und als ich die deutsche Sprache vernahm, da ward mir seltsam zumute; ich meinte nicht anders, als ob das Herz recht angenehm verblute. Ein kleines Harfenmädchen sang. Sie sang mit wahrem Gefühle und falscher Stimme, doch ward ich sehr Gerühret von dem Spiele. Sie sang von Liebe und Liebesgram, Aufopfrung und Wiederfinden dort oben, in jener besseren Welt, wo alle Leiden schwinden. Sie sang vom irdischen Jammertal, von Freuden, die bald zerronnen, von Jenseits, wo die Seele schwelgt verklärt in ew´gen Wonnen. Sie sang das alte Entsagungslied, das Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel. Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser; ich weiß sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser. Ein neues Lied, ein Besseres Lied, O Freunde, ich will euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten. Wir wollen auf Erden glücklich sein und wollen nicht mehr darben; verschlemmen soll nicht der faule Bauch, was fleißige Hände erwarben. Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder, Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust, und Zuckererbsen nicht minder. Ja Zuckererbsen für Jedermann, sobald die Schoten platzen! Den Himmel überlassen wir den Engel und den Spatzen. Und wachsen uns Flügel nach dem Tod, so wollen wir euch besuchen dort oben, und wir, wir essen mit euch die seligen Torten und Kuchen. Ein neues Lied, ein besseres Lied! Es klingt wie Flöten und Geigen! Das Miserere ist vorbei, die Sterbeglocken schweigen. Die Jungfer Europa ist verlobt mit dem schönen Geniusse der Freiheit, sie liegen einander im Arm, sie schwelgen im ersten Kusse. Und fehlt der Pfaffensegen dabei, die Ehe wird gültig nicht minder - es lebe Bräutigam und Braut und ihre zukünftigen Kinder! Ein Hochzeitskarmen ist mein Lied, das bessere, das neue! In meiner Seele gehen auf die Sterne der höchste Weihe - Begeisterte Sterne, sie lodern wild, zerfließen in Flammenbächen - ich fühle mich wunderbar erstarkt, ich könnte Eichen zerbrechen! Seit ich auf deutscher Erde trat, durchströmen mich Zaubersäfte - der Riese hat wieder die Mutter berührt, und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

 

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, als wir dann die unüberschaubaren, unendlich vielen Gleise passierten und endlich in den Hauptbahnhof einfuhren. Der Zug hielt, und wir stiegen aus. Wir Kinder sahen überhaupt nichts, denn der Bahnsteig war natürlich voller Menschen, die ebenfalls dem Ausgang zuströmten. Zwischen den Leuten, als sich der Bahnsteig etwas leerte erkannten wir auf einmal Vater und Mutter. Meine Schwester rief nach einer stürmischen Begrüßung, und Freudetränen auf den Backen, Kuck mal was ich kann, ging in die Hocke und tanzte einen Kasatschok, die Leute schauen sich bewundernd um und gingen kopfschüttelnd weiter.In meiner neuen Heimatstadt München 1955, Zeitgeschehen, was damals, für mich sicherlich schrecklich unwichtig war.

 

"Fünftausend Münchner empfingen heute Nachmittag den Schah von Persien und Kaiserin Soraya, die mit einem Sonderzug aus Baden-Baden im Hauptbahnhof ankamen und im Hotel Vierjahreszeiten Wohnung nahmen. Etwa 3.000 warteten am Bahnhof auf das Kaiserpaar und weitere 2.000 blieben rufend und winkend so lange vor dem Hotel stehen, bis sich die hohen Gäste auf dem Balkon gezeigt hatten. Schließlich musste berittene Polizei die Menge zerstreuen, die den Verkehr fast eine Stunde lang aufhielt."

 

"Oberbürgermeister Thomas Wimmer richtete im Namen der bayerischen Landeshauptstadt eine Dankadresse an die Stadt St. Gallen." Der Kanton und die Stadt St. Gallen hatten im Rahmen der "Ostschweizerischen Grenzlandhilfe" 1945 eine Patenschaft für München übernommen. Bereits zu Weihnachten 1945 war ein großer Hilfszug mit Nährmitteln, Textilien usw. eingetroffen. Insgesamt wurden von 1945 bis 1949 mehr als 112.000 Kilogramm Waren im Werte von über einer halben Million Schweizer Franken gespendet.

 

"Ein tolldreister Raubüberfall ganz in Wildwest-Manier wurde im Postamt am Isartor verübt. Mit Gesichtsmasken und vorgehaltenen Pistolen drangen ein Mann und eine Frau in das bereits geschlossene Postamt ein und entkamen unerkannt mit einer Geldkassette, in der sich 64.000 Mark befanden. Die Polizei meint, es sei der größte und kaltblütigste Raubüberfall seit Kriegsende."

 

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion durch Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1955 ließ zur Gewissheit werden, was die Russen immer bestritten hatten: Noch immer waren hier rund 10 000 angebliche schwere Kriegsverbrecher in Gefangenschaft. Ein Großteil von ihnen wurde in den folgenden Monaten endlich entlassen:

"Heute Abend traf im Hauptbahnhof der erste auf Grund der Moskauer Verhandlungen entlassene, aus München stammende Kriegsgefangene ein: General Breit. Er wurde am Bahnsteig von seinen beiden Söhnen empfangen, die er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte und zuerst nicht erkannte. Außerdem waren Bischof Heckel, Abordnungen einiger ehemaliger Regimenter und die Rotkreuzschwestern zur Begrüßung gekommen."

"Tausende von Menschen harrten, im Hauptbahnhof des D-Zuges aus Hamburg. Im ersten Wagen saßen 25 Heimkehrer aus Russland, die am Abend vorher das Auffanglager Friedland verlassen hatten. 17 von ihnen stammten aus München. Im Grünen Saal des Hauptbahnhofes bereitete Oberbürgermeister Wimmer den Heimkehrern einen kurzen Empfang."

 

Behauptungen, dass die DDR-Regierung seit 1946 sich weitaus mehr und nachhaltiger für die Rückkehr der Kriegsheimkehrer und gerade auch 1954/55 für die Heimkehr der letzten 10.000 eingesetzt habe, und Adenauer nur die publizistischen Früchte dieser Bemühungen einheimste, werden von westdeutschen Historikern angezweifelt.

 

An den Frontabschnitten, vor Kriegsende versuchte die Ulbricht Bande die alles Überläufer zur Sowjetarmee waren, mit Sprechkören oder Megaphonen den Rest der noch kämpfenden Truppe zur Aufgabe zu bewegen, und auch zu desertieren, um dann den DDR Staat mitzugründen. „Denn sie wissen nicht was sie tun“ was schon I.N.R.I. (IESVS NAZARENVS REX IVDAORVM) sagte. Ein guter Bekannter von mir, Panzerfahrer, drehte seine Kanone in die Waldrichtung aus der die Rufe kamen, und feuerte eine Salve in die grölende Horde, kein Mensch war traurig darüber! Die anderen Landser kamen wie schon erwähnt 10 Jahre später heim. Und bauten die Bundesrepublik Deutschland wieder mit auf. Dies, zum Thema dass sich die DDR-Regierung seit 1946 für die Rückkehrer einsetzte!

 

Forstenried, in einer Pension, ein Zimmer und vier Personen, „ganz toll“ einige Familien die auch DDR Flüchtlinge waren, manche wurden, bis heute Freunde meiner Eltern, und erkundeten an den Wochenenden zusammen den Forstenrieder Park. Wir nahmen oft trockenes Brot zum Füttern der Wildschweine mit, was natürlich für uns ein riesen Spaß war. Ostersonntag wir waren im Wald mit meinem Vater, er hatte die Schokoladen Ostereier die wir gefunden hatten, immer wieder schelmischer weise neu versteckt, und wir hatten so, „lange“ unseren Osterspaß. Ich wurde in der Schule Forstenried eingegliedert, wir waren damals eine gemischte Klasse, und ich sollte tatsächlich öfter aus dem Lesebuch vorlesen, peinlich mit meiner Sprache. Die Lehrerin war anscheinend eine Flüchtlingskinderquälerin. Ich hasste sie; was isst denn der da? -Das ist eine Brezel! War die Antwort. Oh, Gott, ich musste viel lernen. Andere Welten, so ein Ausnahme Ausflug zum Starnberger See, mit den vielen Segelbooten und dem großen Schiff, spazierten wir an den schönen Strandhäusern mit ihren großen Gärten vorbei zu den wenigen öffentlichen Stränden, um auch mal in der Sonnen zu sitzen, oder im Wasser zu planschen, - schwimmen konnte ich noch nicht-

 

Da sah ich einen großen Park mit wundervollen alten Bäumen. Ein jeder Baum war eine seltene Spezies, wie man es sonst nur in botanischen Gärten sieht. Da waren welche, deren Zweigenden sich in wundervolles Gold verfärbten, andere waren wie riesengroße Bonzais, blaugrüne Nadelbäume waren darunter, alles war herrlich anzusehen. Dies war der Garten eines feudalen Landhauses, wie ich gleich feststellte. Obwohl mehrere Parteien ihre eigenen Appartments dort hatten, war alles von tiefstem Frieden und höchstem Wohlstand gekennzeichnet. Die Welt mit ihrer Unrast schien unendlich weit entfernt zu sein. Hier gab es nur Erholung und Frieden. An den Wänden hingen wunderschöne Tafeln mit Holzschnitzereien, nicht etwa aus Weichholz, sondern aus Edelhölzern gearbeitet. Auf der Wiese vor dem Haus spielte ein Kind und nicht weit entfernt sah man einen Stall und davor ein gesatteltes Reitpferd, ruhig wartend. Wer hier lebte, lebte auf einer Insel des Friedens, versteckt von den Städten und Dörfern, so entlegen, dass sich niemals ungebetene Gäste einfinden konnten. Nach meinem ersten bewunderndem Staunen wurde ich besinnlich, und dachte über das Kind nach. "Dieses Kind lebt in einem Paradies", dachte ich, "es wird mit keinen Schwierigkeiten konfrontiert und in seinem späteren Leben einmal schwach sein, unfähig zu kämpfen".. Und mit einmal taten mir alle leid, die hier wohnten.

 

Vom Wohnungsamt wurde uns 1956, eine kleine Wohnung in Berg am Laim zugewiesen, im 5ten Stock, ohne Lift, in der ich bis nach meiner Bundeswehrzeit wohnte, zur Schule ging und meine Jugend verbrachte. Berg am Laim wurde am 23. April 812 als „ad Perke“ urkundlich erwähnt, der Zusatz „am Laim“ als „auf dem Laimb“ erstmals 1430. Der Begriff Laim bedeutet im heutigen Deutsch „Lehm“. Der Name beschreibt die Lage auf einer Erhöhung (Berg), die sich auf der etwa ein Kilometer breiten Löß-Lehm-Zunge der Münchner Schotterebene zwischen Ismaning und Berg am Laim befindet. Ziegel aus Berg am Laim wurden für große Teile der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Münchner Innenstadt und für die Frauenkirche verwendet. Arbeiter der Ziegeleien siedelten in der Gründerzeit in der Gegend ihrer Arbeitsorte. Um 1900 ging die Ziegelbrennerei wegen Erschöpfung der Lehmvorkommen zugrunde.Berg am Laim war Sitz einer Hofmark. Vor der Säkularisation war die Hofmark persönliches Eigentum von Mitgliedern des Hauses Wittelsbach. Der bedeutendste Inhaber war Kurfürst Clemens August I. von Bayern, Erzbischof von Köln, der die bedeutende barocke Stiftskirche St. Michael als Ritterordens- und Bruderschaftskirche errichten ließ. Berg am Laim selbst gehörte geographisch zwar zu Oberbayern, politisch aber zum Kurfürstbistum Köln. Letzter Inhaber der Hofmark war der königliche Ministrale Baron von Hompesch, aus dessen Familie auch der letzte Großmeister des Malteserordens auf Malta stammt. Diese Verbindung Berg am Laim zeigt sich heute noch durch den Hauptsitz der Malteser Bayerns, die sich in der Berg am Laimer Streitfeldstraße befindet.1801 kam Berg am Laim mit der Auflösung des Kurfürstbistums Köln zu Bayern. Mit der Gemeindereform wurde Berg am Laim 1818 zur selbständigen Gemeinde erhoben und erhielt ein eigenes Patrimonialgericht. Baumkirchen, Echarding und Josephsburg wurden Ortsteile.

 

Erna, also meine Tante, die einiges auf sich genommen hatte als sie uns hierher brachte, versuchte ein paarmal vergeblich einen Job in München zu finden. Was aber in Wirklichkeit nur Vortäuschung gewesen war, denn, sie sehnte sich eigentlich nach Hause zu ihren Eltern - meiner Oma und Opa-, Sie ist dann, leider ein paar Wochen später wieder in die DDR zurückgefahren. Viele Jahre später erfuhr ich, dass sie niemals eine „Held der Arbeit“ Ehrung, von der Firma, nach jahrelanger Zugehörigkeit, -in denen die Leute beispielsweise zur Ostsee Verschickt wurden-, in Erfahrung gebracht hatte. Die Stasi hatte ihr lange zugesetzt, warum kann man sich ja denken. Sie hatte nie geheiratet, oder Freunde, sie lebt heute noch allein in der kleinen Stadt Stendal.

 

Neuanfang, im neuen Land! Meine Eltern mussten die neu eingerichtete Wohnung abbezahlen, und gingen beide Arbeiten. Für uns Kinder war dementsprechend wenig Zeit vorhanden, und waren auf uns selbst angewiesen, die Schulaufgaben hat man gerade mal so erledigt, das Mittagessen, von gestern, und aufgewärmt, teilweise in die Toilette gekippt, die Spuren im Klo beseitigt, sodass niemand etwas merkte. Wir waren Schlüsselkinder… Schon immer hat es mich von zu Hause weggezogen, ich war gerne unterwegs, hatte eine Menge Freunde, die ich immer zu Regieren wusste, habe gerne irgendwelche Streiche organisiert, die dann alle mitmachen mussten, und keiner hat sich darüber aufgeregt oder gar das motzen angefangen. Die Abende am Kartoffelfeuer, meistens Mittwoch wenn Konfirmationsunterricht war, wir waren immer so vier, fünf Burschen die sich um das Feuer versammelten, quatschten, und fantastischen Träumen nachhingen. Und ich mir dann eine Ausrede beim Pfarrer einfallen ließ, wo ich den gewesen bin? -auf Vaters Anweisung habe ich im Keller, Holzhacken müssen, es war schließlich Winter, und es war schließlich kalt, kann man nichts machen-! Im Sommer war täglich das Michaelibad angesagt, wie immer war die Stammplatz Clique schon da. “Komm wir gehen zu den Weibern rüber“ Fritz machte einen entschlossenen Eindruck. „Wie meinst du das? Zu welchen Weibern überhaupt? Hilfe ich will nicht zu den Weibern1 Ich will Schafskopf spielen! Unsere Clique pirscht geschlossen zum Mädchenbereich. Zielsicher steuert Fritz Susannes Decke an. Die erwarten uns schon, sagenhaft, Fritz muss heimlich was klargemacht haben. Die Belegschaft besteht aus drei Decken, worauf sich Susanne, Ina, Petra, und Bärbel räkelten. Ina ist, Titten hin , Titten her, eigentlich ganz hübsch, Petra auch, nur Bärbel ist total verhunzt, und daran wird sich nach menschlichen Ermessen auch nichts mehr ändern. Sie ähnelt einer Maus, dünnes Haar, spitzes Kinn, niedrige Stirn, ihre winzigen Zähne wucherten aus einem wulstigen, rosaroten Zahnfleischbett. Außerdem hat sie überhaupt keine Figur. Man könnte sie auf den Kopf stellen und würde keinen Unterschied bemerken. Und als ob das alles noch nicht reichen würde, ist ihre Haut übersäht von kleinen Leberflecken, eher Leberpickel, Leberwarzen, Leberpunkte, oder so was. Petras auffälligstes Merkmal sind riesige Nasenlöcher, wirklich groß sind die, so was habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Man möchte sie zuhalten, irgendwas reintun oder Flüssigkeit einfüllen, das sind zwanghafte Gedanken, gegen die man nichts machen kann. Die Nüstern sind riesig und dunkel und glatt, -wie damals bei dem Hengst den ich gekauft habe-, darin können sich keine Popel halten. Bildet sich ein Popel, fällt er sofort raus, so stell ich mir das jedenfalls vor. Es scheint bereits im Vorfeld ausgemacht worden zu sein, wer sich zu wem auf die Decke setzt: Heiko zu Susanne, Thaler zu Ina und Ralf zu Petra, ist ja klar wer übrig bleibt. Da kommt man wenigstens nicht auf dumme Gedanken. Außer Bärbel rauchen alle. Zum Einstieg haben wir ein Spitzenthema: Walter, die Sau. Irgendwie scheinen alle Bescheid zu wissen, auch Susanne ist bestens informiert. Woher weiß die das denn? Ob doch schon was lief? Unerträgliche Vorstellung. Roland und Heiko geben die wortführenden Platzhirsche, Roland ist erwartungsgemäß der Beste im Reden. Fritz entpuppt sich immer mehr als Langweiler. Thaler und ich halten uns zurück. Thaler, weil er nicht will, ich, weil ich nicht kann. Ich versuchte krampfhaft, dem Gespräch zu folgen, und suchte nach einer Lücke, in die ich einen Witz oder so versenken kann. In Gedanken spielte ich unzählige Gags und originelle Bemerkungen durch, ich finde sie allesamt zu schwach, oder das Thema ist durch, und würde viel zu spät kommen. Dauernd bleibe ich auf meiner mühsam vorbereiteten Schlagfertigkeit sitzen. Wenn ich jetzt noch was bringen will, muss es echt gut sein, sonst blamiere ich mich bis auf die Knochen. Roland und Fritz drehen richtig auf, die Weiber tun interessiert, lachen und geben ihnen ein gutes Gefühl. Wieder mal werde ich von Zwangsvorstellungen geplagt: Roland macht sich an Petra zu schaffen und schlappert ihre Nasenlöcher aus. Bis auf hallo Fans, ich bin Jürgen, habe ich noch keinen mucks gesagt. Die müssen mich für einen totalen Idioten halten, bis auf Susanne, die weiß es besser, aber sie will es gar nicht besser wissen. Die Lage ist hoffnungslos, ich bin nur einer mehr der die Decken dichter macht. Mit dem Knie berührte ich Susanne, die eine, die Göttliche, Diva, unberührbare , heilige Maria, sie muss sich unbemerkt in meine Nähe gesetzt haben. Susanne ist das schönste Mädchen weit und breit, ich bin seit drei Jahren verliebt in sie, heimlich, das darf niemand mitkriegen, weil es einfach lächerlich ist.

 

Des Weibes Leib ist ein Gedicht, das Gott der Herr geschrieben ins große Stammbuch der Natur, als ihn der Geist getrieben. Ja, günstig war die Stunde ihm, der Gott war hochbegeistert; er hat den spröden, rebellischen Stoff ganz künstlerisch bemeistert, Fürwahr, der Leib des Weibes ist das Hohelied der Lieder; gar wunderbare Strophen sind die schlanken, weißen Glieder. O welche göttliche Idee ist dieser Hals, der blanke, worauf sich wiegt der kleine Kopf, der lockige Hauptgedanke!

Der Brüstchen Rosenknospen sind Epigrammatisch gefeilet; unsäglich entzückend ist die Zäsur, die streng den Busen teilet. Den plastischen Schöpfer offenbart der Hüften Parallele; der Zwischensatz mit dem Feigenblatt ist auch eine schöne Stelle. das ist kein abstraktes Begriffspoem! Das Lied hat Fleisch und Rippen, hat Hand und Fuß; es lacht und küsst mit schöngereimten Lippen. Hier atmet wahre Poesie! Anmut in jeder Wendung! Und auf der Stirne trägt das Lied den Stempel der Vollendung. Lobsingen will ich dir, o Herr, und dich im Staub anbeten! Wir sind nur Stümper gegen dich, den himmlischen Poeten. Versenken will ich mich, o Herr, in deines Liedes Prächten; ich widme seinem Studium den Tag mitsamt den Nächten. Ja, Tag und Nacht studier ich dran, will keine Zeit verlieren; die Beine werden mir so dünn - das kommt vom vielen Studieren.

 

Selbst wenn ich eine Chance bei ihr hätte, bestünde die Möglichkeit darin, es zu verheimlichen und bei allen Gelegenheiten eine leichte Gleichgültigkeit zu demonstrieren. Traurig aber wahr. Immerhin duldete sie mich als Kumpel, im letzten Winter waren wir zum Beispiel mal Schlitten fahren. In unserer Gegend ist eine Art Hügel und da treffen sich im Winter immer alle zum Reden, schauen, oder einfach da sein. Eines Tages ist das schönste passiert, was man sich nur vorstellen kann: auf dem Weg den Hügel rauf habe ich Susanne an der Hand genommen, und wir sind wie ein Liebespärchen hochgestapft. Ich habe so getan, als würde ich sie nur bei der Hand nehmen, damit wir uns nicht auf die Fresse legen. Die Wahrheit braucht ja niemand zu wissen, vor allem nicht Susanne. Wir sind bestimmt zehnmal Hand in Hand den Hügel rauf, und ich habe damals schon gewusst, dass ich noch sehr lange an diese Sekunden unfassbaren Glücks zurückdenken würde. Und jetzt kommt´s: obwohl sie nach Pisse gerochen hat. Muss man sich mal vorstellen, kann sich kein Mensch vorstellen: Susanne hat echt Penner mäßig nach Pisse gestunken! Zuerst dachte ich, ich wäre es, oder von irgendwo kommt dauernd eine Fahne herübergeweht. Aber nein: Aus Susannes Schoß kam eine Pisswolke gekrochen. Und trotzdem hat das meinen Gefühlen für sie keinen Abbruch getan. Das muss wahre Liebe sein. Nächster Tag im Bad, Susanne sitzt ungefähr fünf Meter entfernt schräg links von mir. Als wir uns vorhin kurz gegrüßt haben „Hallo Susanne-Ach so, ja hallo“, schien es mir, als wäre es ihr peinlich, dass wir uns kennen und sogar gemeinsam Schlitten gefahren sind. Vielleicht wollte sie mir von vornherein klarmachen, dass sich der Kontakt zwischen uns während der kommenden Wochen auf Allernötigste beschränken wird. Tja, kann man nichts machen, vielleicht besser so, bevor ich mir noch Hoffnungen mache. Sie wird immer hübscher. Und ihre Titten sind vielleicht groß geworden. Der fiese Dieter zwingt sie wahrscheinlich, die Pille zu nehmen, sie muss mit ihm schlafen, obwohl sie eigentlich noch gar nicht so weit ist. Eines Tages wird er sie ohne Vorwarnung wie eine heiße Kartoffel von jetzt auf gleich fallen lassen. Wenn es ihm gefällt. Von meiner Position aus kann ich sie unauffällig beobachten. Sie ist nicht nur schön, sondern strahlt auch noch wie sonst was. Unglaublich, wie ein einzelner Mensch so strahlen kann. Dieter schnallt das gar nicht mit seinem Fuchsschwanzgehirn, der ist nur scharf auf ihre Glocken. Eine Scheiße ist das alles. Ich bin mir sicher, dass ich, wenn ich zwanzig Zentimeter größer wäre, eine Chance bei ihr hätte. Ein Gewitter das plötzlich aufkam ist weitergezogen, aber kühl ist es geworden, sehr kühl sogar. Was wird eigentlich mit dem übriggebliebenen Saufkram? Zuhause beim Abendessen, es gibt Spinat mit Spiegelei und Salzkartoffel, Hitlers Leibspeise, das sogenannte Führeressen. Ob der seine Kartoffeln erst mit der Gabel zerdrückt und dann mit Spinat und oder Eigelb vermengt hat? Oder hat er die Komponenten einzeln gegessen. Oder erst Kartoffeln, dann Spinat und sich zum Schluss durch den Eiweißhof ins Eizentrum vorgearbeitet? Kann man sich gut vorstellen. Es hat sich so richtig eingeregnet. Also war es vorerst nichts mehr mit Badengehen. Ich gehe eine rauchen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mit dem Rauchen aufzuhören, aber andererseits: Was für eine Scheißidee, ausgerechnet in den Ferien das Rauchen aufzugeben. Alles nur wegen des Antiraucherabschreckungsfilms, den wir vor kurzem in der Schule gesehen haben: Bis zum Anschlag verteerte Raucherlungen, abgeschnittene Gliedmassen und als grausiger Höhepunkt ein Mann, dem sie in unzähligen Operationen das halbe Gesicht amputiert hatten und der durch das winzige, künstlich angelegte Atemloch am Kehlkopf weiterrauchte. Da ich schon mit elf das Rauchen angefangen habe, kann es nicht mehr lange dauern, bis mir ähnliches Schicksal blüht. Nach den Sommerferien muss ich unbedingt aufhören, aber jetzt gerade nicht, denn ich benötige meine Energie, um die neuen, ungewohnten Bedingungen zu beherrschen, bevor die Bedingungen mich beherrschen. Das mit der Susanne verdrängte ich fast ganz, dieses Liebesgesülze ging mir irgendwie erheblich auf die Socken. Ich weiß jetzt ganz genau wie Dieter in zehn Jahren aussieht: Vom Halbfischigen ins Ganzfischige gekippt. Haare ausgefallen, der Kopf, dar ansatzlos in den mit roten Quaddeln zugewachsenen kurzen Hals übergeht, sondert ununterbrochen ein dickflüssiges gelbes Sekret ab, das den stumpigen Oberkörper hinunterrinnt und dann in den Ausläufern der blondroten Schambehaarung versickert, die eingewachsenen Finger und Zehennägel gleichen Krallen, unter den Achseln dichte Nester mit Taubendreck, Milben, Sporen und Wurmeiern. Um jemanden zu töten, braucht er bloß der Arm zu heben und seinen Feind einen tiefen Zug zu aus der Achselhöhle nehmen zu lassen. Die abgestorbenen Hoden dunkelbraun angelaufen In sämtlichen Falten, Kratern, Bunkern, Rissen nisten Schmutzinsel, käsige Gerinnsel, die Füße pilzige Stumpen. So ungefähr. -Susanne mag es wahrscheinlich so-. Irgendjemand hat mal gesagt dass ich eifersüchtig sei. „Ach was“, sagte ich.

 

Die restlichen Ferientage regneten so dahin, und das neue Schuljahr hatte uns die nächsten Monate wieder. Wir, also unsere Clique hatte natürlich einen Abenteuer Stammplatz, auf der sogenannten großen Wiese an deren Rand eine Ansammlung alter Holzhütten, eher fast verfallenen Holzbuden standen, die wir beschlagnahmten und als Festung einrichteten. In denen wir die Cowboyfilme nachspielten, und „ganz wichtige Themen“ rauchend laberten, es war unser Versteck, unser Rückzugsgebiet, und unser aller Domizil,- ohne Erwachsene- was ließen wir uns schon großartiges erzählen, „wir waren wir“, und nur das zählte. Eines Tages, so ein Blödmann von Erwachsener, er wohnte in dem anliegenden Haus, in dem unten eine Autowerkstadt eingerichtet war, droht damit in unsere Schule, und zum Rektor zu gehen, und uns wegen des Diebstahls von Werkzeug anzuzeigen. Jäh, hatten wir die Hosen gestrichen voll, natürlich hatten wir damit nichts zu tun, wir haben nichts geklaut, in unserer Angst vor kommenden Problemen, beschlossen wir mal eben von zu Hause auszureißen, und die Planung für die Reise wurde noch am selben Abend erfolgreich durchbesprochen, um sie dann am nächsten Tag anzutreten. Wir trafen uns, alle machten wie immer nicht mit, aber wir drei, Fritz, Hans, und ich, einigten sich und gingen dann zum Bahnhof. Nach sieben Kilometer, die Zug Karte war abgefahren, stiegen wir in Holzkirchen aus; am Vorabend hatte ich aus der Schublade im Küchenschrank das Rabattmarkenheft entwendet, und am nächsten Tag im „Kramer Laden“ gegen zweimarkfünfzig für die Fahrkosten eingelöst. Es war April und der Schnee liegt hier in der ländlichen Gegend noch mehr als in der Stadt, aber wer weiß das schon? Wir liefen einfach in die Richtung in der wir meinten dort den Wald zu finden, über offenes Gelände gelangten wir zu einem Bauernhof, die Leute dort sahen uns und fragten verwundert was wir denn hier wollten, wir fragten doofer weise nach Arbeit, -wir waren gerade mal dreizehn Jahre alt-, dementsprechend war die Reaktion des Bauern, verschwindet sonnst hole ich die Polizei, vorher gab es für jeden ein dickes Butterbrot. Wir liefen den Weg über das Feld, Richtung Wald, verdammt da kommt ein VW Käfer, er holte uns ein und hielt, seine Tochter mit Freund sagte der Bauer macht ernst, mit der Polizei , wir sollten uns beeilen wegzukommen. Eine Scheune, die wir als Deckung benutzten, denn oberhalb des Weges war tatsächlich ein Streifenwagen zu sehen. Wir erreichten dann endlich den schützenden Wald, und rannten eine Zeitlang bis wir uns sicher fühlten. Fritz hatte Päckchensuppe, einen Espit Kocher, und einen Topf im Schulranzen, den Schulranzen hatte ich, sowie die anderen auch zu Hause entleert und nützliche Dinge eingepackt, zum Beispiel meine warme Decke, Gott sei Dank!, bei dem Schnee . Wasser tranken wir aus den Eispfützen im Wald, das wir denn auch zum Kochen Benutzt hatten. Die Päckchensuppe war hervorragend. Der Abend kam dann schneller als uns lieb war, die Nacht brach herein, ruhig, heiter, strahlend unzählige Sterne glänzten und funkelten. Kein Laut, kein Ruf, keine Stimme. wir waren den ganzen Tag ziellos durch den Wald gewandert, und dementsprechend Müde. Der Zufall will es dass wir wieder eine Scheune entdecken, einbrachen und uns ins Heu unter meiner Decke verkrochen. Der schlaf senkte sich über uns, was mögen bloß die armen Eltern jetzt denken. Am Morgen sagte ich zu Hans, du siehst so fröhlich aus wie ein Sargträger. Fritz fragte was gibt es neues? Meine Vorfahren waren Jäger gewesen. Männer die im Wald zu Hause waren und unter freiem Himmel schliefen, wo ihnen die Sterne ins Bett leuchteten. Die Nachkommen, also ich, benehmen sich heute so nicht mehr, also gehe ich wieder nach Hause. Damit ist die zwangslose Versammlung hier aufgelöst. Also gingen wir wieder Richtung München, auf der Landstraße, es war schon wieder Abend, ein Auto hielt neben uns, wir schwitzten Blut und Wasser vor Angst, die Leute im Auto, zwei ungefähr 30jährige Männer nahmen uns dann mit und fuhren bis zum 60iger Stadion in Giesing, dort wohnte die Großmutter von Fritz, und stiegen aus, wir bedankten uns, und weg waren sie! Die Oma, hatte dann, nach dem wir mit Essen versorgt waren, unsere Väter, über den Klassenlehrer -wer hatte damals schon Telefon,- angerufen, um uns abzuholen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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